Klimaschutz, Energiewende, durchgestrichenes Kraftwerk

Am 04.10.2022 verkündete das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das endgültige Aus für den kleinen Weiler Lützerath in Nordrhein-Westfalen. Die Begründung: Aufgrund der aktuellen Energiekrise wird die Braunkohle, die dort liegt, dringend benötigt. Der Kompromiss: Der Kohleausstieg wird in NRW um 8 Jahre nach vorne gezogen, auf 2030.*

Nun kann man sich fragen „Warum machen denn alle so einen Wirbel um die paar Häuser?“, denn die Dorfbewohner*innen von Lützerath sind längst umgesiedelt worden. Aber es geht um mehr: Nämlich um das große Braunkohleflöz, auf dem es sitzt. Und die erhöhte CO2-Belastung, die mit der Nutzung dieser Kohle einhergehen wird. Und vor allem um die Zweifel, ob das Ganze wirklich sein muss.

Verpasste Chancen

Lützerath ist damit auch ein aktuelles Symbol für das, was in der deutschen Energieversorgung seit Jahrzehnten falsch läuft: Zu viel Verlass auf fossile Energien, zu wenig Fokus auf den Ausbau von Erneuerbaren.

Nun ist es in der aktuellen Situation verständlich, dass die Versorgungssicherheit für das BMWK höchste Priorität hat. Schließlich haben wir uns Russlands Angriff auf die Ukraine und die daraus hervorgehende Energiekrise nicht selbst ausgesucht.

Nee warte. Den Krieg haben wir nicht angezettelt, aber wie steht’s mit der Energiekrise? Da haben wir doch einfach zu lange aufs falsche Pferd gesetzt. Mit Nordstream 2 haben wir gerade erst eine weitere Gaspipeline durch die Ostsee gelegt und uns damit noch abhängiger von Russland gemacht.

Hätten wir stattdessen die Energiewende und den Ausbau der Erneuerbaren Energien kräftig vorangetrieben, säßen wir jetzt wohl nicht so tief in der Krise. Dann gäbe es vielleicht auch kein Argument mehr dafür, den Braunkohleabbau in NRW auszuweiten.

Die richtige Entscheidung?

Gut, jetzt ist das Kind schon in Brunnen gefallen und „hätte, würde, könnte“ bringt uns nichts. Wie sieht es denn mit der aktuellen Entscheidung des BMWK aus?

Für den Kompromiss der Regierung spricht, dass durch den vorgezogenen Stopp der Braunkohlenutzung in NRW rund 280 Millionen Tonnen Kohle – und damit auch 280 Millionen Tonnen CO2 – im Boden bleiben, die ansonsten bis 2038 noch genutzt werden würden. So weit so gut.

Dafür müssen aber zwei Braunkohle-Kraftwerksblöcke, die eigentlich Ende des Jahres stillgelegt werden sollten, weiterlaufen. Und die zusätzliche Menge an Kohle, die nun bis zum Ausstieg genutzt werden darf, ist nicht mit dem Pariser Klimaziel von 1,5 Grad vereinbar. Das berichtet zumindest Greenpeace und bezieht sich dabei auf Zahlen des Düsseldorfer Wirtschafts- und Klimaministeriums.**

Die „CoalExit Research Group“ wiederum bezweifelt, dass das Braunkohlevorkommen unter Lützerath überhaupt benötigt wird. Hinter CoalExit steckt eine Forschungsgruppe aus Wissenschaftler*innen des Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V., der Technischen Universität Berlin, der Humboldt Universität Berlin und der Europa Universität Flensburg.

Sie stellen fest, dass das Kohlevorkommen im aktuellen Abbaugebiet selbst bei erhöhter Auslastung der Kraftwerke noch bis 2030 ausreicht und es damit gar keine Notwendigkeit gibt, weitere Abbauflächen zu erschließen.***

In diesem Licht sieht die Entscheidung des BMWK schon ganz anders aus. Nun – es war sicherlich keine leichte Entscheidung für Robert Habeck und seine Leute. Und wir wissen nicht, welche anderen Faktoren dabei noch mitberücksichtigt werden mussten. Wir können nur hoffen, dass hier nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt wurde.

Zeit für Energiewende: Wie geht’s weiter?

Nach der Entscheidung des BMWK ist für die Aktivist*innen in Lützerath noch lange nicht das letzte Wort gesprochen. Der Protest geht weiter und schon jetzt wird ein Szenario ähnlich dem im Hambacher Forst erwartet.

Für uns zeigt dieses Thema wieder einmal: Es ist mehr als höchste Zeit für die Energiewende! Daher hat WEtell sich jetzt auch dem Bündnis #StopFossil angeschlossen, das sich für Klimaschutz und Erneuerbare Energien einsetzt.

Entstanden ist es in den ersten Wochen des Ukraine-Kriegs, um sich für einen schnellen Ausstieg aus der Energieabhängigkeit von Russland stark zu machen. Und dabei eben nicht wieder auf fossile Alternativen zurückzugreifen.

Mit ihren „Alltagsmaßnahmen“ zeigt #StopFossil außerdem Verbraucher*innen, wie sie ihren individuellen Beitrag zu Energiewende und Klimaschutz leisten können. Schau doch mal rein, was du so machen kannst: #Stop Fossil.

Wenn du dir anschauen möchtest, was WEtell für die Energiewende tut, schau mal auf unserer Klimaschutzseite vorbei.

Quellen:
* www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/wdr-story-50893.html
** www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/kohleausstieg/luetzerath-0
*** coaltransitions.org/publications/gasknappheit-auswirkungen-auf-die-auslastung-der-braunkohlekraftwerke-und-den-erhalt-von-lutzerath

marketing@wetell.de

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