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Straßenfunk: Wenn Mobilfunk Türen öffnet

Jemand reicht einer Person ein Handy während im Hintergrund eine andere Person auf einer Parkbank sitzt.

Von Rahel | Marketing & Vertrieb

Für die meisten von uns ist die Nutzung eines Smartphones ganz alltäglich. Doch für Menschen mit Lebensmittelpunkt Straße kann genau das einen entscheidenden Unterschied machen. In unserem Blogartikel zu digitaler Teilhabe haben wir bereits erzählt, warum Mobilfunk für wohnungslose Menschen so wichtig ist. Jetzt möchten wir dich noch tiefer in unser Projekt Straßenfunk mitnehmen.
 
Vorweg: Wir sprechen im Projekt von obdachlosen Menschen oder Menschen mit Lebensmittelpunkt Straße, da sie unsere erste Zielgruppe sind. Tatsächlich möchten wir aber auch Menschen in anderen prekären Situationen nicht ausschließen. Wer ein Straßenfunk-Paket erhält, entscheiden deshalb die jeweiligen Organisationen vor Ort. Sie kennen die Menschen und ihre Situation am besten.

Projekt Straßenfunk: Wie alles begann

Uns beschäftigt schon lange die Frage: wie können wir als Unternehmen Gutes bewirken? Mit unserem Wertebudget finanzieren wir daher soziale und ökologische Projekte. 

2023 kamen wir in Kontakt mit GoBanyo, einer gemeinnützigen Organisation, die in Hamburg einen Duschbus für Menschen auf der Straße anbietet. Hier entstand die Idee für das Projekt Straßenfunk. Als dritten im Bunde haben wir unseren langjährigen Kooperationspartner SHIFT ins Boot geholt, der sich damit beschäftigt, wie man Smartphones möglichst nachhaltig und fair produzieren kann.

Die Idee: Wir stellen die Mobilfunktarife zur Verfügung, SHIFT die Smartphones und GoBanyo verteilt diese Funkpakete an Menschen ohne festen Wohnsitz. 

Konkret wurden fünf Funkpakete von GoBanyo ausgegeben. Die Ergebnisse nach einer Umfrage waren deutlich:

  • Alle Empfänger*innen haben ihre Funkpakete noch und behandeln sie mit großer Sorgfalt.
  • Die Nutzung erfolgte problemlos, ohne technische Schwierigkeiten.

Und die Auswirkungen auf den Alltag der Empfänger*innen sind enorm:

  • Eine Person konnte nach fast einem Jahr wieder Kontakt zu ihrer Familie im Ausland aufnehmen.
  • Vier Personen nutzen die Funkpakete für Gelegenheitsjobs und zur Vernetzung.
  • Eine Person hat erstmals seit langer Zeit eine Notunterkunft angenommen und sucht aktiv nach einem festen Job. 

Zugang zu Mobilfunk löst sicherlich nicht alle Probleme. Aber er kann Türen öffnen: Zurück zur Familie, zu einem Job, einer Unterkunft und letztendlich einem selbstbestimmten Leben. Und genau das hat uns darin bestärkt, weiterzumachen. 

Die SIM-Karten-Registrierung als großer Hebel

Im Laufe des Projekts haben gemerkt: es reicht nicht, einfach ein Smartphone und einen Mobilfunktarif bereitzustellen. Da ist noch eine Hürde, die für viele Menschen kaum zu überwinden ist: die Registrierung der SIM-Karte, die hierzulande Pflicht ist.

Stell dir vor, du sollst dich identifizieren – ohne Smartphone, ohne stabiles Internet, ohne Dokumente und ohne einen festen Ort, an dem du erreichbar bist.

Unser erster Ansatz im Projekt: Die Mobilfunkverträge über die Organisationen, die wohnungslose Menschen unterstützen, zu registrieren. Doch das war keine Dauerlösung. Deshalb haben wir gemeinsam mit unseren Partner*innen nach einer Lösung gesucht. Und wir haben sie gefunden (Achtung, jetzt wird‘s bürokratisch!):

Nach den Auslegungshinweisen der Bundesnetzagentur zu §§ 172, 173 Telekommunikationsgesetz kann bei wohnungslosen Menschen in letzter Instanz eine aktuelle Aufenthaltsortbestätigung als Grundlage für die Registrierung dienen. 

Oder einfacher gesagt: Es reicht, zu wissen, wo sich die Person zum Zeitpunkt Datenübermittlung befindet. Damit können wir den Mobilfunkvertrag auf den Namen der Empfängerperson abschließen.

Die Person wird damit nicht einfach zur Nutzer*in eines gespendeten Funkpakets. Sie wird unser*e Vertragspartner*in. Das klingt vielleicht nach einem kleinen Unterschied, ist aber tatsächlich ein großer. Denn ein eigener Vertrag bedeutet auch: Du bist nicht vergessen worden. Du gehörst dazu. Du hast Zugang.

Und auch für die Organisationen vor Ort macht diese Lösung einen großen Unterschied.
Die Projektpartner*innen identifizieren die Empfängerperson, übermitteln die notwendigen Daten und unterstützen bei der Einrichtung. Wenn später Fragen oder Probleme auftauchen, sind wir da und helfen weiter.

So entsteht etwas, das weit über Mobilfunk hinausgeht: eine verlässliche Verbindung zwischen Menschen, Organisationen und der digitalen Welt.

35 Funkpakete, vier starke Partner

Neben dem anfänglichen Projektpartner GoBanyo, befinden wir uns aktuell gemeinsam mit dem Ferdinand-Weiß-Haus der Diakonie Freiburg, der Diakonie Michaelshoven und dem Rambler Studio von Neue Chance gGmbH in Berlin in der erweiterten Testphase.

Im Laufe des Jahres werden insgesamt 35 Straßenfunk-Pakete ausgegeben und im Alltag getestet. Wir wollen herausfinden, was gut funktioniert, wo es noch Hürden gibt und wie wir das Projekt weiterentwickeln können. 

Dass wir schon nach den ersten Monaten hören, welche Erleichterung Straßenfunk schaffen kann, macht Mut.

Straßenfunk verbindet

Und das auf vielen Ebenen. Danke an GoBanyo für die Projektidee. An SHIFT, die die Smartphones zur Verfügung stellen. An unseren Serviceprovider STROTH für die rechtliche Beratung. An die Vodafone, die uns finanziell bei dem für das Projekt initiierten Tarif „Straßenfunk“ entgegenkommt. 

Und vor allem danke an die Projektpartner*innen vor Ort, die sich mit uns auf die Reise gemacht haben und ihre Arbeit mit so viel Liebe und Hingabe machen. Sie schaffen den Zugang, die Verbindung zu den Menschen, die sonst oft unerreicht bleiben. 

So geht‘s weiter

In einer einjährigen Testphase möchten wir praktische Erfahrungen sammeln, mögliche Herausforderungen sowie passende Lösungsansätze identifizieren und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Ziel ist es, damit den Weg für weitere finanzielle Fördermöglichkeiten und die langfristige Ausweitung des Projekts zu ebnen.

Wir sind gespannt und freuen uns auf das, was kommt. Und dich halten wir dabei natürlich auf dem Laufenden - die nächste spannende Kooperation steht nämlich schon bevor!